Die Zukunft des Freestyle Motocross?!?

Tom Pagés - Front Flair
Top Fahrer und Größen der Szene versuchen eine Prognose...

Freestyle Motocross (FMX) wurde in den 90er Jahren geboren und wenn man sich die Entwicklung des Sports bis heute anschaut, ist der Sport weiter gekommen als viele damals glaubten. Auch wenn es in den letzten 20 Jahren mit dem Sport immer auf und ab ging, so entwickelte sich FMX immer weiter und die Evolution geht immer noch stetig weiter.

Die Geschichte im Schnelldurchlauf
Nach ein paar Jahren waren die "normalen" Tricks für die wilden Motocrosser, welche sich von dem eher eintönigen Trainingsleben eines MX und SX Racers verabschiedeten, einfach nicht mehr genug und der Backflip eröffnete auf einmal Möglichkeiten für den Sport, welche sich niemand zu träumen erhofft hatte. Die Rider, welche nun Vollzeit-FMXer waren, arbeiteten an immer härteren Flip Kombinationen und es dauerte nicht lange bis die meisten regulären Tricks auch kopfüber gesprungen wurden. Als diese Entwicklung langsamer wurde, kam der Double Flip ins Spiel und sorgte kurzzeitig für die nächste Evolutionsstufe. Für die Top Fahrer bei den Wettbewerben zählte nun das sie entweder diesen Killer-Trick oder eine gute Stange der Flip-Combos im Gepäck hatten um erfolgreich zu sein. Ein Teil der Fahrer wählte aber eine andere Route und kehrte den Contests den Rücken und konzentrierte sich voll auf das Freeriding und Videodrehs. In den Filmen brachten diese Jungs die klassischen Tricks und einige Back-Flip Kombos - an unwirklichen Plätzen rund um den Globus - auf ein neues Level und zeigten wie vielfälltig der Sport geworden ist. Die meisten Fahrer konzentrierten sich aber auf die Veranstaltungen und das Freeriden gestaltet sich bis heute bei der Finanzierung des Lebensunterhalts als schwierig. Das große Geld gab und gibt es bei den Wettbewerben und bis ein Fahrer dort erfolgreich ist, hat er in der Regel eine Menge Shows und andere Events hinter sich. Das Level der Tricks ist heutzutage unglaublich und für viele Rider bleibt es bei Shows und Demos, wenn sie es nicht schaffen ihre Trickkiste auf dieses unglaubliche Niveau zu bringen.


Über 100,000 Fans bei Red Bull X-Fighters Brasilia, Brasilien 2011 © Balazs Gardi/Red Bull Content Pool

Wie die großen Events den Sport beinflußt haben
Während die X-Games in den letzten 20 Jahren FMX immer mal wieder nicht im Programm hatten, schaffte es die Night of the Jumps Tour in der letzten Dekade eine solide Wettbewerbsplattform für die Fahrer zu sein. Für ehrgeizige Fahrer geht es hauptsächlich darum einmal bei einem dieser großen Events ganz oben auf dem Treppchen zu stehen und so berühmt zu werden, aber bei immer weniger Veranstaltungen in den letzten Jahren und die Chance für Nachwuchsfahrer sich einen Namen zu machen, kommt die Frage auf in welche Richtung bewegt sich der Sport:

Wie sieht die Zukunft des FMX aus?
Im letzten Jahr haben die großen Events versucht dem Sport eine neue Richtung durch geänderte oder komplett überarbeitete Event-Formate zu geben. Mechanische Rampen brachten neue hochspektakuläre Tricks in die Arenen und entfachten hitzige Diskussionen in der Szene. Des weiteren etablierten sich weiche sogenannte "Resi-Landings" und es wurden sogar Airbags auf den Landungen platziert um den heftigsten Tricks die Verletzungsgefahr zu nehmen. Diese massiven Veränderungen und Innovationen führte natürlich zu massiven Diskussionen in der Szene und die Gemüter erhitzen sich auch aktuell noch an dem Pro und Contra dieser Innovationen. Der eine Veranstalter lehnt diese aktuell komplett ab, während andere mechanische Rampen erlauben aber die Landungen klassisch belassen. Wieder andere setzen auf das volle Programm und integrieren mechanische Rampen, Airbags und andere Hilfmittel in ihre Events. Die Gemengelage ist unübersichtlich und es gibt aktuell keine klare Richtung.


Robbie Maddison fliegt über den Kanal von Korinth © Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

Ist das schon das komplette Bild?
Neben den Events - unabhängig davon welche Rampen oder Mittel dort nun verwendet werden oder auch nicht - gibt es noch eine Nische des Sports, welche von Fahrern wie Robbie Maddison und Ronnie Renner besetzt wird.
Diese Teufelskerle haben es über die Jahre geschafft durch ihre einzigartigen Aktionen den Sport in ein komplett anderes Licht zu rücken. Es geht bei ihren Aktionen um Weltrekorde (Längster Sprung mit Trick, höchster Air aus einer Quarter, etc.) oder um nie gesehene Bilder, welche in der Regel um die Welt gehen und den Sport über die FMX Szene hinaus transportieren. Unvergessen sind die Bilder von Maddison´s Sprung von der Skisprungschanze oder sein Flug über den Kanal von Korinth. Auch das Waterbike in den Wellen von Tahiti hat für einige Aufrgegung gesorgt und war in den News rund um den Globus zu sehen. Freeriding auf einem anderen Level ist was diese Jungs betreiben.

Um euch ein Stimmungsbild zu geben, haben wir Fahrer und Protagonisten aus der Szene zur Zukunft des Sports befragt:


Tom Pagès im Red Bull X-Fighters Pit © Joerg Mitter/Red Bull Content Pool

FMX Innovator Tom Pagès sieht die Sache so:

"Die Evolution des Sports wird in Zukunft mehr von der Entwicklung bei den Rampen bestimmt werden. Des weiteren werden die Fahrer mehr an den Bikes modifizieren um den Sport auf das nächste Level zu bringen. Zudem wird auch die Landezone sich weiterentwickeln und wir werden immer mehr "weiche Landungen" wie RESI bei den Events sehen. Auch die Airbags werden die Fahrer dazu animieren immer größere Risiken bei den Tricks einzugehen, da sie die harte Landung weniger zu fürchten haben. Dies hat die Folge das auch die Rampen größer werden um die Tricks fetter zu machen. Rotationen in alle möglichen Richtungen werden in Zukunft wohl auch eher die Regel als die Ausnahme sein. Freut euch auf regelmäßige Frontflips, 720´s und wildes Zeug über, neben oder mit dem Bike. Zum Glück bin ich zu alt, um bei dem ganzen Spiel noch mithalten zu müssen, hahaha. Ach ja, wenn ich genau wüßte wohin es mit dem Sport geht würde ich natürlich für mich behalten und bereits an den Sachen heute arbeiten die morgen zählen."

Martin Koren zeigt den Fans in Chile wie man eine Bike flippt © Juan Luis De Heeckeren/Red Bull Content Pool

Martin Koren hat eigentlich schon alles gemacht: Die größten Events, Red Bull X-Fighters Jams in mehr als 25 Ländern und er weis auch wie man beim Freeriden Gas gibt. Hier sind seine Weisheiten:

"FMX hatte schon immer zwei Seiten: Entertainment und Wettkampf. Beide Seiten haben sich kontinuierlich entwickelt. Die Shows von Nitro Circus haben sicherlich eine Tür für die Progression des Sports geöffnet, sie sind jedoch auch die höchste Form der Zirkusunterhaltung. Diese Art hat sich meiner Meinung nach von dem eingentlichen Sport distanziert und es geht rein um das spektakuläre Erlebnis für den Zusschauer. Jedwede Hilfsmittel sind erlaubt, hauptsache es macht alles noch heftiger. Der durchschnittliche Zuschauer interessiert sich normalerweise sowieso nicht dafür, wie ein Frontflip ausgeführt wird und welchen Beitrag die eine oder andere Rampe bei dem Trick leistet. Egal, es geht um das unglaubliche Erlebnis für diese Leute und das ist auch gut so. Je wilder es wird, desto voller werden die Veranstaltungen, das war schon immer so. Die andere Seite sind die sportlichen Events, bei denen es um Resultate geht und genau das ist auch für Medien interessant, wie bei jeder Sportart. Die harten Fans brauchen einen Champion am Ende der Saison und es geht diesen Fans auch mehr um den fairen sportlichen Wettkampf und nicht so sehr um die Show. Diese Events sollten weiter in Ihrer reinen Form bestehen und die Rampen, Sprünge und Landungen sollten einem Standart folgen der für alle Teilnehmer fair ist. Hört sich alles ziemlich langweilig an aber die Olympischen Sportarten haben es genau mit diesem Prinzip von 776BC bis heute dahin gebracht. Das Judging hat in den letzten Jahren für viele Diskussionen gesorgt und eine Reformation sollte den sportlichen Wettkampf definitiv weiter bringen. Die neuen Intel Prozessoren - welche bei den Red Bull X-Fighters in Madrid 2016 zum ersten mal eingesetzt wurden - könnten hierbei eine willkommene Hilfe sein.

Clinton Moore feiert seinen 2015 Red Bull X-Fighters World Tour Sieg in Abu Dhabi, UAE © Joerg Mitter/Red Bull Content Pool

Red Bull X-Fighters Champion Clinton Moore ist überzeugt das die Sprünge größer werden und die Tricks komplexer. Zudem glaubt er, das sogenannte "Cheater Ramps" und modifizierte Bikes das Level der Besten Rider untergraben werden.

"In Zunkuft werden wir sicher an Bikes mehr zusätzliches Zubehör für Tricks sehen und das Bike im Ganzen wird mehr für FMX modifiziert um sich durch Gewicht und andere Specials einen Vorteil zu verschaffen. Zudem werden mehr von den sogenannten "Do or Die" Tricks auf die Karte kommen und auch die RESI Landugen und Airbags werden wir in dem Zusammenhang mehr sehen, damit das Verhältnis zwischen Risiko und Erfolg bzw. nicht zu großer Konzequenz in einen besseren Einklang kommt. FMX hat auch weiterhin großes Potenzial und wir sind noch nicht am Ende der Evolution angekommen, aber in dieser Phase geht es vorallem darum das Fahrer und Event Organisatoren den Sport in die richtige Richtung bringen. Wenn es mit der Technologie so weiter geht, werden wir in Zunkunft auch Elektro-Bikes Upside-Down durch Hallen fliegen und wer weiss schon heute, was da noch alles kommt. Ich wünsche mir aktuell nur das Fahrer und Veranstalter es zusammen hinbekommen, das riesige Potenzial was der Sport immer noch hat in eine Richtung zu lenken die Athleten und Fans weiterbringt."

Sebastian Wolter in seiner Garage © bustywolter.com

Ex FMX Profi und Dirtbiker Mag Editor in Chief, Red Bull Romaniacs Teilnehmer und Motorrad-Fanatiker, Busty Wolter ist mehr als gespannt in welche Richtung sich der Sport entwickeln wird.

"Die Zukunft des FMX ist und bleibt wie immer spannend! Ich bin Teil dieser Geschichte und des Sports seit den Anfängen und werde bis heute immer noch gefragt:"Was kommt als nächstes? Hat der Sport seinen Zenit schon erreicht? Wo sind die Limits?" Diese Fragen sind auch heute immer noch schwer zu beantworten, da es beim FMX - wie in jedem Action Sport - immer kreative mutige Fahrer gibt die mehr wollen und die Entwicklung des Sports antreiben. Es gibt Backflips, Backflip Kombinationen, Body Varials und Typen wie Tom Pagès haben es geschafft die Quarter zur regulären Rampe bei allen großen FMX Events werden zu lassen. All das zeigt das es immer weitergeht, wohin es geht kann ich immer noch nicht sagen, aber das es weitergeht kann ich garantieren. Das Risiko ist bis dato bei jedem neuen Trick größer geworden und wir sind an einem Punkt, wo die Evolution sicher in kleineren Schritten erfolgt als früher aber die letzen Events zeigen, das die neuen Tricks immer technischer und fetter werden. Der Sport ist aktuell auf seinem besten Level und die neuen mechanischen Rampen haben eine große Diskussion in der Szene ausgelöst. Ich habe dazu eine klare Meinung. Ich mag sie nicht und hoffe das wir sie in Zukunft bei den großen Events nicht sehen werden. Ein gutes Beispiel ist der Frontflip. Jacko Strong ist bis heute der einzige Rider, welcher den Trick über eine normale Rampe konstant sauber in den Dirt setzt. Seit der Einführung der mechanischen Rampen sieht es so aus, als wenn auf einmal jeder diesen unwirklichen Trick mit Leichtigkeit springen kann. Ich möchte Skills von den Ridern sehen, Style und Kreativität. Diese Kompenenten sollten über Sieg und Niederlage entscheiden und nicht die Bauaart einer Rampe oder der Einsatz eines anderen Hilfsmittels. Für Shows bei denen es nur um den WOW Effekt geht ist das schon OK, aber bei Wettbwerben sollte es klassisch bleiben."

Brian McCarthy gibt es der Pala Quarter © schran.net

Brian McCarthy nennt sich selbst einen Budget FMXer und er repräsentiert eine Gruppe von Ridern, welche wir bald auf der großen Bühne sehen werden. Die Attitude und Wurzeln dieses Schlags sind fast immer die gleichen: Starker Motocross Hintergrund, unglaubliche Bike-Skills, umbedingter Willen den Sport in eine neue krasse Richtung zu bringen.

"Aktuell wird alles immer krasser und krasser auf einem ganz anderen Level. In den letzten fünf Jahren haben Body Varials und andere progressive Tricks den Sport auf ein neues ungeahntes Level gebracht, aber ich glaube die Evolution in diesem Bereich wird nun langsamer fortschreiten. Das Risiko bei diesen Tricks ist extrem hoch. Es gibt immer noch eine Menge von Verbesserungen die am Bike durchgeführt werden könnten um den Fahrern zu helfen sich noch dicker rauszuhauen und auch die Bauart von Rampen könnte den Sport auf einem anderen Level weiterbringen. Ich glaube das es ein wenig wie beim BMX laufen wird. Du hast dann 3 verschieden Typen an Fahrern: Die Tech-Rider, die Big Flow-Rider und die massiven Trick-Rider, welche harte Tricks immer und überall durchziehen können. Es kommt für die Jungs nicht auf Park oder freies Gelände an. Sie setzten ihre Dinger einfach überall. Ich bin eher letzter Typ aber ich mag auch das technische Fahren und das Riding auf kleineren klassischen Ramp Set-Ups bei Shows. Beides gefällt mir und ich werde versuchen beide Arten weiterzuentwickeln auch wenn das sicher eine Menge Arbeit ist. Naja vielleicht lohnt es sich und Ihr werdet in Zukunft mehr von mir hören...."

Matt McCall mit Danny Way & Brian McCarthy © schran.net

Matt McCall von TrickFactory Ramps ist der Mann, welcher in den letzten Jahren die Rampen für die größten Event geschweißt hat und auch bei vielen Dare-Devil Projekten das Set-Up mitentwickelt hat. Nach 20 Jahren im Rampen Biz weiß der Kalifornier sicher wovon er spricht:

"Ich habe über die Jahre einen Haufen Rampen in meiner Firma gebaut. Meistens waren es die Standart Rampen aber wir haben einige komische Dinger, expirimentelle und auch Einzelstücke, wie die mechanische Rampe gefertigt. Letztere erlaubt einfache Frontflips und andere Tricks, welche bis Dato nur den Besten vorbehalten waren, somit ist es gerade schwer die Entwicklung des Sports einzuschätzen. Aber bleiben wir beim Thema mechanische Rampe um einen Einstieg zu finden. Events welche diese Rampe nutzen oder in Zukunft nutzen sind für mich Shows. Ein Event, welcher auf die Klassiker setzt sind sportliche Wettkämpfe und keine Shows. Ich denke mein Standpunkt diesbezüglich sollte somit klar sein und ausdrücken, das der Sport sich wohl in diese Bereiche - zumindest bei Events - aufsplitten wird. Gern würde ich aber noch was anderes anbringen auch wenn es sich für einen Rampenhersteller komisch anhört. Ich mag die Shows and choreographierten Moves der Fahrer und die Ektase der Fans, aber mein Herz ist ganz klar beim Freeriden in den Hügeln oder in der Wüste. Ich würde gern mehr Progression in diesem Bereich sehen und richtig heftige Tricks in freiem Gelände über Dirt-Takeoffs. Die Fahrer in ihrem natürlichen Element hat für mich immer noch die größte Fazination, aber dies sind die Wurzeln und wäre es nicht einen Versuch wert den Sport auf dem aktuell höchsten Level zurück zu seinen Wurzeln zu führen und zu sehen, wohin uns das führt. Das Element des gemeinsamen Fahrens und einfach nur Spass zu haben würde somit wieder mehr in den Vordergrund rücken. Ich denke allein das würde den Sport erneut auf eine anderes Level und schließlich ist der Sport ja auch genauso entstanden und hat aus den Hügeln heraus die Welt erobert...."

Du siehst das nicht so? Schreib uns auf facebook.com/RedBullXfighters was Du denkst.